Weihnachten bei Oma und Opa Maus

Oma und Opa Maus haben viel zu tun. Nur noch einmal schlafen, dann kommt die ganze Mäusefamilie zum Weihnachtsfest. Gestern hat Opa einen riesengroßen Tannenbaum aus dem Wald geholt. Fast den ganzen Nachmittag war er in der Baumschonung, beinahe wäre er wieder ohne Baum gefahren. Alle waren ihm entweder zu klein, zu dünn, zu dick, … keiner war ihm gut genug. Für das Fest muss es ein besonderer Baum sein, da ist Opa eigen. Beim großen Stein am Alpenveilchenbeet hat er dann endlich den richtigen gefunden. Groß und dicht, aber nicht zu dick, sodass er noch gut in die Weihnachtsscheune passt. So groß allerdings, dass er fast nicht mehr in den Beiwagen gepasst hätte. Aber Opa hat ihn gut festgehalten und ist schön vorsichtig gefahren. Jetzt steht der Baum in der Scheune und wartet darauf geschmückt zu werden. Und Opas Finger sind auch wieder warm. Die waren nämlich ganz steif und eisekalt geworden, weil er mal wieder seine Handschuhe verloren hat. Ach, Opa!

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Aus der Mäuseküche duftet es schon den ganzen Tag nach Christstollen, Weihnachtsplätzchen und Punsch. Oma ist extra früh aufgestanden und rührt und knetet was das Zeug hält. Der Stollen ist ihr diesmal besonders gut gelungen. Zufrieden summt sie ein Weihnachtslied vor sich hin und wischt sich etwas Mehl von der Nase. Als sie die Lebkuchen in der Plätzchendose verstaut, wundert sie sich ein bisschen. Waren das nicht vorhin noch ein paar mehr? Sollte etwa … Opa?

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Was macht der überhaupt? Er wollte sich doch nur schnell die Weihnachtsmütze aufsetzen, ein Tässchen Tee trinken und sich dann um die Lichterkette kümmern. Opa? 
Oh, da ist wohl was schiefgegangen.

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Am Abend, als alles gebacken und verstaut ist, gehen Oma und Opa hinüber in die Weihnachtsscheune. Oma trägt die Weihnachtskugeln und Opa einen Berg von Kissen. Achtung, Opa, die Stufen! Zu spät. Opa fliegt der Länge nach in die Kissen. Gut, dass sie so weich sind.  
»Hoppla!«, ruft er und kuschelt sich mit der Nase in ein besonders weiches Kissen. Eigentlich ganz gemütlich, denkt er. Man könnte glatt ein Nickerchen machen. Aber Oma sieht nicht so aus als würde ihr das gefallen. Also rappelt er sich auf, verteilt die Kissen und holt die große Leiter.

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Die braucht er, um die geschnitzten Schneeflocken in den Baum zu hängen. Auf die ist er ganz besonders stolz, denn er hat sie selbst geschnitzt. Den ganzen Herbst hat er daran gearbeitet und sich auch nur einmal dabei in den Finger geschnitten. Ok, zweimal. Aber gar nicht doll, Oma musste nur ein ganz kleines Pflaster auf die Wunde kleben. Trotzdem hat sie ein bisschen geschimpft, weil er nicht vorsichtig genug war.
Die schönste Flocke kommt jetzt ganz oben an die Tannenbaumspitze.

Oh, oh, ein bisschen wackelig ist die Leiter ja schon. Oh, oh! Achtung, Opa! 
Zu spät, Opa baumelt für einen Moment kopfüber an der Leiter, bevor er wieder in den Kissen landet. Diesmal allerdings mit bös schmerzendem Fuß. Auch Oma, die schnell herbeigelaufen ist, konnte ihn nicht mehr retten. Oh je, armer Opa!

Oma läuft schnell und holt ein bisschen Eis, das sie mit ihrem Schal um Opas Fuß bindet.
»Aua, aua«, jammert Opa und versucht sich etwas bequemer hinzulegen. So etwas Blödes, eben hätte er gern noch ein Nickerchen gemacht, so macht rumliegen aber auch keinen Spaß. 
»Huh, ist das kalt!«, ruft er, als Oma die Eiswürfel auf den Fuß packt.
»Ja, ich weiß«, sagt Oma ganz lieb und mit etwas zittriger Stimme. Sie hat sich ganz schön erschrocken und ist froh, dass Opa nicht mehr passiert ist. »Jetzt legst du dich erst einmal ganz gemütlich hier hin und ruhst dich aus, dann geht es gleich wieder besser. Ich schmücke inzwischen den Baum fertig.«
Oma holt aus der Rocktasche ein Stück Mausespeck.
»Für mich?!«, fragt Opa. Oma nickt und lächelt. Es ist Opas Lieblingsmausespeck, den sie extra für Weihnachten gekauft hat. Wenn der Opa nicht wieder auf die Beine hilft, dann wird es heikel.
»Danke«, sagt Opa und strahlt. Wenn er es sich recht überlegt, ist so ein kleiner Sturz von der Leiter vielleicht doch gar nicht so schlimm.

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Oma macht noch das Kaminfeuer an und dann klettert sie auf die Leiter und schmückt den Baum zu Ende.

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Opas Sterne sind wirklich sehr schön geworden. Zusammen mit den Kugeln und der Lichterkette sehen sie toll aus. Als sie fertig ist räumt Oma die Leiter weg und deckt den Tisch mit all den leckeren Sachen, die sie gebacken hat. Der große Stollen und die Lebkuchen bekommen einen Ehrenplatz auf der Festtafel.

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Zufrieden sitzen Oma und Opa bei einer Tasse Tee und schauen sich um. Ja, jetzt kann Weihnachten kommen. Opa freut sich schon mit den Kleinen in den Kissen rumzutoben und dabei immer wieder etwas Leckeres zu naschen. Das wird ein Spaß!

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Aber, was ist denn mit Oma? Sie sieht auf einmal so traurig aus. Immer wieder schaut sie zum Kamin und wackelt dabei mit den Ohren. Was ist denn da? Opa beugt sich vor und guckt, ob er etwas sehen kann. Nein, da ist nichts. Mmmh …

Nichts! Genau, das ist es, es fehlt etwas! Wie konnte er das nur vergessen? 

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Opa springt auf und läuft aus der Scheune. Oma fällt beinahe um vor Schreck, so schnell ist er aufgesprungen und losgerannt. Keine Spur mehr von Fußschmerzen. Was macht er denn nur? Oma hat sich kaum wieder gerade hingesetzt, da hört sie ihn die Stufen hinaufächzen. Oh nein, hoffentlich ist nicht schon wieder etwas passiert. Doch als sie sieht warum Opa so ächzt, klatscht sie vor Freude in die Hände.

Ihr Schaukelstuhl! Opa schleppt ihren Schaukelstuhl herein! Frisch lackiert, repariert und mit neuen Polstern bezogen. Letztes Weihnachten war er beim Aufräumen die Treppe hinuntergefallen und zerbrochen. Seitdem hat er in der Scheune gelegen und darauf gewartet repariert zu werden.
Wie schön er aussieht! Ganz in rosa und lila, ihren Lieblingsfarben. Und das Buch mit der Weihnachtsgeschichte hat Opa auch direkt mitgebracht.

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»Ach, Opa!« Oma weiß gar nicht, was sie sagen soll. Sie wischt sich ein Freudentränchen aus dem Auge und drückt Opa einen dicken Kuss auf die Wange. »Wann hast du das denn gemacht?« Opa wird ein bisschen rot vor lauter Freude und Stolz über die gelungene Überraschung.
»Ach, so dann und wann«, sagt er. Er stellt den Stuhl vor den Kamin. Genau dorthin, wo Oma gerne sitzt, wenn sie die Weihnachtsgeschichte vorliest.

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»Willst du mal probieren, ob er bequem ist.«
»Und ob!« Oma strahlt, setzt sich und beginnt vorsichtig zu schaukeln. »Perfekt«, sagt sie und streicht sacht über die Lehne. »Noch gemütlicher als vorher. Gib mal das Buch, bitte.« Opa reicht ihr das Weihnachtsbuch. »Ja, so kann man prima vorlesen.«
Sie zaubert aus ihrer Tasche noch ein Stück Mausespeck für Opa.
»Für mich?! Noch eins?!«
»Ausnahmsweise«, sagt sie, zwinkert ihm zu und steckt es ihm in den Mund.

»Ob die Weihnachtsmannmaus auch rechtzeitig kommt?«, fragt Oma jetzt ganz besorgt. Das fragt sie jedes Jahr, Opa kennt das schon.
»Bestimmt. Sollen wir mal schauen, ob wir schon was sehen?« Opa geht zum Fenster.

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Draußen ist es inzwischen ganz dunkel geworden. Nanu, was ist das denn? Das sieht ja aus wie Schnee. Da hat es doch tatsächlich ein wenig geschneit, während Oma und Opa die Scheune geschmückt haben.
»Wie schön,« sagt Oma. Wie Puderzucker liegt der Schnee auf den Bäumen und dem zugefrorenen Teich. »Meinst du, das Eis ist schon dick genug und wir können morgen Schlittschuhlaufen?«
»Mmh … ich weiß nicht. Aber ich kann es ja mal ausprobieren.«
»Ach, jetzt lieber nicht«, sagt Oma schnell. »Lass uns lieber schlafen gehen, es ist schon spät.«
Eigentlich ist sie noch gar nicht wirklich müde. Sie hat nur ein bisschen Angst, dass Opa im Wasser landet, so tollpatschig, wie er heute wieder mal ist.

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Als Opa die Scheunentür abschließt, schaut er noch einmal nach seinem Motorrad. Direkt dahinter, halb versteckt von der großen Tanne, entdeckt er einen Schlitten voller Geschenke.
»Na also«, flüstert er, »klappt doch! Aber darum kümmern wir uns morgen. Jetzt wird geschlafen.«

Weihnachtsmausende


Diese Geschichte findet Ihr auch als Videolesung/Bildergeschichte in der SichtBar.



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Zum Schluss wünsche ich noch allen kleinen und großen Mäusen, allen Freundinnen und Freunden von monatsweise ein schönes Weihnachtsfest. In diesem Jahr mehr denn je. Ich hoffe, ihr seid – und bleibt – gesund und könnt die Zeit mit Familie und Freunden verbringen. Im Rahmen der Möglichkeiten, versteht sich. 

‚Weihnachten bei Oma und Opa Maus‘ ist das dritte Bilderbuch, das ich für meine Enkelkinder gestaltet und geschrieben habe. Mittlerweile sind die älteren 3 3/4 und 3 1/2 Jahre und ich muss mir wirklich was einfallen lassen, um sie leidlich zu unterhalten. Gottlob wohnt diese Mäusefamilie seit einiger Zeit bei uns und hilft meiner Fantasie ein wenig auf die Sprünge. Das ist auch notwendig, denn immer noch habe ich großen Respekt vor dem Kinder- und Jugendbuchgenre. Weswegen es mich auch ungemein freuen würde zu erfahren, ob und wie diese Geschichte bei euch und euren Kindern/Enkeln ankommt. Euer Feedback ist also mehr als nur erwünscht.

Etwas Persönliches möchte ich an dieser Stelle noch loswerden:
Eigentlich sollte dieses Buch eine Gemeinschaftsproduktion mit Freundinnen werden. Ein ‚Making of‘ bei Glühwein, Keksen und Co, auf das wir uns alle gefreut haben.

Liebe Angela, Petra, Petra, Siegrid, Ute, Trude, Ellen und Rosi,
ich habe eure Gesellschaft, eure Ideen und Unterstützung beim Basteln, Fotografieren und Fabulieren sehr vermisst! Ihr fehlt halt immer wieder und an allen Ecken und Enden. Gemeinsam hätte wir sicher ein anderes, allemal aber auch besonderes Buch erstellt. Und dabei jede Menge Spaß gehabt. Einmal mehr hat uns Corona einen Strich durch unsere Planungen gemacht. Aber: Aufgehoben ist nicht aufgeschoben. Irgendwann werden wir gemeinsam ein Buch machen, versprochen. So wie wir wieder feiern, wandern, reisen, auf Terrassen sitzen, quatschen und singen werden. Ich freu mich drauf! 
Bis dahin – bleibt gesund, zuversichtlich und guter Dinge 
Kirsten

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Anonymous sagt:

    Sehr geehrte Frau Marter-Dumsch,

    ich habe die Geschichte sehr viel genossen. Ich lerne Deutsch seit vielen Jahren und gerade lese ich jeden Tag um es zu verbessern. Ich liebe diese Sprache, ich war auch letztes und dieses Jahr in Deutschland. Ich war ein Aupair Maedchen und ich habe viel mit dem Kindern gelernt.

    Als ich diese Geschichte gelesen habe, habe ich mich an die Grosseltern der Kindern errinert. Deutscher sind tolle Menschen. Ich danke Ihnen, weil ich mich gefuehlt habe als ich noch in Deutschland waer.

    Ich werde gerne weiter lesen, und hoffe auch dass Sie weiter so schoen schreiben.
    Mit sehr freundlichen Gruessen aus Venezuela
    Lena Vitanza

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