Tod in Zimmer 64 – die Auflösung

Wie versprochen folgt vor Monatsende noch die Auflösung des Falls. Ich habe kurz in Erwägung gezogen, dazu alle Verdächtigen zu versammeln und sie von Dombrowski,  ganz im Stil Hercule Poirots, höchst dramatisch präsentieren zu lassen. Doch Dombrowski ist entschieden uneitler als der legendäre Privatdetektiv aus Agatha Christies Feder, weswegen wir ihn nur zur Berichterstattung bei seinem Vorgesetzten, Dr. Winter, begleiten. Zum Ausgleich lächelt die Queen of crime wenigstens als Bronze vom Beitragsbild. So gefunden in Torquay, wo sie auf dem Princess Pier sicher die ein oder andere Inspiration für ihre unzähligen Storys gefunden hat.

»Ah, Dombrowski! Setzen Sie sich, setzen Sie sich. Stramme Leistung, die Sie da wieder hingelegt haben. Erzählen Sie, ich höre.«
Dombrowski legte den eben fertig gewordenen Bericht auf Winters Schreibtisch und nahm mit einem stillen Seufzer auf dem unbequemen Stuhl davor Platz. Wie jedes Mal beeilte er sich zur Sache zu kommen, um schnellstmöglich wieder aufstehen zu können.
»Danke, aber Ludger Stein hat es uns sehr leicht gemacht.«
»So, so. Wie das?« Winter lehnte sich in seinem Ledersessel behaglich zurück und sah ihn auffordernd an.
»Der Klassiker, hat sich bei der erstbesten Gelegenheit verplappert.«
»Die gewesen wäre?«
»Noch auf dem Flur vorm Tatort, als er dem Liebhaber von Frau Pauls meinte sagen zu müssen, Pauls sei es zum Verhängnis geworden, keiner Praline widerstehen zu können. Ich hatte allerdings zuvor kein Wort über die Praline als mögliche Todesursache verloren, lediglich berichtet, dass Pauls unmittelbar nach Verzehr des auf dem Kopfkissen platzierten Betthupferls verstorben sei.«
»Geschickt aufs Glatteis geführt. lieber Dombrowski, sehr geschickt.« Winter nickte anerkennend. Sollte er ihm erzählen, dass ihm Ludgers Schnitzer erst bewusst geworden war, als er in seiner Manteltasche die Weingummitütchen zwischen die Finger bekommen hatte? Erst da war ihm aufgegangen, dass die wohl üblicherweise auf den Kopfkissen lagen. Ach was, sollte Winter doch denken, was er wollte.

»Auf Nachfrage bestätigte der Hoteldirektor, dass man auch für die Teilnehmer der Pralinenmesse keine Ausnahme gemacht hat, auch auf ihren Kissen wurden ausschließlich verpackte Weingummi ausgelegt. Damit war klar, dass Ludger etwas mit der Sache zu tun haben musste. Das Labor hat in der zweiten, sichergestellten Praline einen Kern aus reinem Nussöl gefunden. Ludger hat sich Pauls Markenzeichen der doppelt gefüllten Praline …«
»Doppelt gefüllt?«
»Quasi eine Praline in der Praline. Das garantierte auch, dass Pauls das Nussöl nicht schon beim Auspacken der Praline riechen konnte.«
»Ahh, verstehe, versteht.« Winter sah, die Fingerspitzen aneinandergelegt, zur Decke hinauf. Dombrowski unterdrückte ein Augenrollen.
»Einmal reingebissen, hatte er aufgrund der hohen Konzentration keine Chance mehr. Der Pathologe hat das alles bestätigt, auch die von Pauls verzehrte Praline hat reichlich Nussöl enthalten. Im Verhör hat Ludger Steins zunächst alles abgestritten. Er sei nie in Pauls Zimmer gewesen, Jens Müller wolle ihn belasten.«
»Sie haben Fingerabdrücke im Zimmer gefunden?«
»Nein, weder im Zimmer, noch auf den Pralinenverpackungen. Bei den Befragungen der anderen Hotelgäste fanden sich jedoch ein Zeuge, der Steins am Tag zuvor aus Pauls Zimmer hatten kommen sehen und einer, der mitbekommen hatte, wie Stein Pauls um den Schlüssel zu dessen Zimmer gebeten hat, weil er dort etwas vergessen habe und holen wollte. Damit konfrontiert, hat er dann gestanden.«
»Und das Motiv?«
»Pauls hatte schon mehrfach angedroht, ihn als Abteilungsleiter zu entlassen, weil er mit Steins Arbeit nicht zufrieden war. Eingestellt hatte er ihn seiner Frau zuliebe. Als die sich einen anderen gesucht hat, geriet der Bruder auf die Abschussliste. Der Streit in der letzten Woche, von dem Frau Pauls berichtete, war mitnichten bereinigt. Im Gegenteil, Pauls hatte Stein tags drauf tatsächlich gekündigt. Nach der Pralinenmesse hätte er auf der Straße gestanden.«

»Fein, fein!« Winter rieb sich die Hände. Dombrowski wusste, dass er damit entlassen war und erhob sich. »Fein, fein!«, wiederholte Winter und griff zum Telefon. »Dann will ich mal den Polizeichef informieren.«
Im Rausgehen registrierte Dombrowski den Ton, in dem Winter mit der Sekretärin des Polizeichefs sprach. Wetten, zwischen denen war was im Busch!

Ihr mögt Dombrowski? Mehr von ihm findet ihr hier

25.12., 10.12 Uhr

Gefährliches Spiel

 

© Text und Bild: Kirsten Marter-Dumsch, November 2018

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s