Intercity Express

Herzlich Willkommen zur ersten Monatsgeschichte im neuen Jahr. Ich hoffe, Ihr seid gut reingekommen und hattet ein paar schöne Tage.

Ich widmete mich unverzüglich einer neuen Geschichte, um auch im neuen Jahr meinen Vorsätzen treu zu bleiben und monatsweise regelmäßig zu füttern. Angeregt wurde ich durch eine Freundin, die mir die Geschichte vom schwarzen und vom weißen Wolf erzählte. Zusammengefasst geht es darin um die in uns wohnenden Gegensätze. Der weiße Wolf steht erwartungsgemäß für das Gute (Gerechtigkeit, Frieden, Liebe, Geduld, …), der schwarze für das Gegenteil (Wut, Angst, Hass, …). Also für alles, was unser Leben unschöner und schwieriger macht. Dem kleinen Indianerjungen antwortet der weise Opa (merke: alte Indianer sind immer nachgerade unfassbar lebensklug!) auf die Frage, welcher Wolf denn den Kampf in unserem Inneren gewinne: Der, den Du fütterst. So weit so gut. Eigentlich sagt er in der Originalstory noch viel mehr, nämlich, dass man beide füttern müsse, weil sie sich so mit ihren Schwächen in Schach halten. Es ist eben ein wahrhaft weiser Indianer.
Ich nutzte den Fütterungsgedanken, um mal wieder eine kleine Übung zu absolvieren und schrieb eine Szene, die sich damit beschäftigt, was passieren kann, wenn man voller Inbrunst nur einen der Wölfe füttert. In diesem Fall den schwarzen.

Euch viel Vergnügen beim Lesen, mögen Eure Wölfe in gesunder Ausgewogenheit leben. Was die Druck- und Leseversion angeht, bitte ich um etwas Geduld, sie folgen in gut einer Woche. Ich lasse mir jetzt erst einmal für ein paar Tage Nordseewind um die Ohren pusten.

 

 

Sie haben die Schnellstrecke erreicht, der Zug nimmt spürbar Fahrt auf, die schmutzig-grüne Landschaft rauscht immer schneller durch ihr Blickfeld. Noch eine gute Stunde, dann kommt sie endlich hier raus. Er denkt, sie merkt es nicht. Aber sie weiß genau, dass dieses Lächeln nicht ihr gilt, egal, was er sagt. Von wegen, sie sehe hinreißend aus. Ach ja, auf einmal! Ob ihr kalt wäre? Als ob er sich jemals zuvor schon Gedanken darüber gemacht hätte. Nein, da muss erst diese Kuh daherkommen, mit ihren Winzbrüsten, deren Nippel sich für jedermann sichtbar unter der Bluse abzeichnen. Natürlich glotzen alle Kerle hin, er vorneweg. Und dann dieses Getue: Darf ich Ihnen noch einen Kaffee mitbringen? Milch, Zucker? Affig!

Klar, so Eine lässt sich bedienen, schert sich einen Dreck darum, dass die Frau daneben sitzt und alles mitbekommt. Wie er sich ins Zeug wirft damit sie lacht. So lacht. Wenn er jünger wäre, würde sich vermutlich eine gewisse Regung einstellen bei dem Lachen. Bei dieser Schauspielerin kann er sich auch immer kaum halten vor Begeisterung. Lach doch mal so, das hat was. Was bildet er sich eigentlich ein? Soll sie etwa stundenlang Lachen üben, damit ihm einer abgeht? Soll er sie doch zum Lachen bringen. Aber da schwächelt der Herr. Warum soll man sich auch zu Hause verausgaben?

Und jetzt sitzt er da und grinst vor sich hin, starrt immer wieder zur Abteiltür, damit er auch ja den Moment nicht verpasst, in dem die Kuh ihre Titten um die Ecke trägt. In dem Alter, sollte sich was schämen! Kein Wunder, dass sie keinen Kerl hat. Wer will schon mit so was leben? Vögeln ja, aber abends fernsehen?
Fernsehen tut er ja gern, immer in der Hoffnung, dass sie es auf dem Bildschirm mal wieder treiben. Was ja heute in fast jedem Film mehr oder weniger ständig geschieht. Und wenn der Herr dann spitz ist, soll sie lasziv lachen! Pustekuchen!

Na super, da ist die Kuh wieder. Ach ne, ihr ist kalt. Das hätte sie nun wirklich nicht eigens erwähnen müssen, sieht ja jeder. Wie er sich jetzt zurücklehnt und die Augen schließt! Wahrscheinlich stellt er sich gerade vor, wie er sich von ihr reiten lässt, die wippenden Winzdinger immer vor der Nase. Arschloch, blödes! Da, wusste ich es doch, jetzt zupft er sich die Hose zurecht, damit man nicht sieht, was bei ihm los ist. Gott, ist das ekelhaft! Wenn wir nach Hause kommen kann er was erleben. Den lasse ich auflaufen. Soll ja nicht meinen, er könne sich an mir abreagieren.
Jetzt tatscht er auch noch an mir rum mit seinen schweißgeilen Flossen. Ja, ja, wir sind gleich da, ich weiß schon. Gott, dieses Gesäusel, schön, Sie kennengelernt zu haben. Bla bla bla. Ich hoffe man sieht sich nie wieder. Kann dieser Scheißzug nicht schneller fahren? Endlich, raus hier!

Warum ich so renne? Warum ich so renne? Das fragst du nicht wirklich! Weil ich es nicht mehr ertragen kann, such dir doch Eine, die auch nur an Sex denkt! So wie die gerade, die macht bestimmt alles, was du willst. Schlampe, dreckige!

Wenn es kultiviert ist, jedem die Nippel unter die Nase zu reiben und dazu brünstig zu lachen, bitte. Bei uns zu Hause verstand man unter kultiviert etwas anderes, als für Kreti und Pleti die Beine breit zu machen.

Ach, ich spinne?! Und was bitte war das gerade da im Zug?

Du warst nur freundlich? Dass ich nicht lache! Es ist also freundlich jemandem dauernd auf die Titten zu glotzen und dabei selig zu grinsen.

Das wird ja immer besser, jetzt soll ich sie nicht mehr alle haben. Glaub doch nicht, ich hätte nicht gemerkt, was in deiner Hose los war. Mit ein paar Zupfereien kannst du das nicht vor mir verbergen.

Ich bin so laut wie ich will!!!

Wenn hier einer krank ist, dann bist Du das! Sexsüchtig, genau das bist du! Aber immer schön alles auf mich abwälzen.

Ach so, dann zeig mir mal die Frau, die sich so was gefallen lässt, die dem Herrn noch willig in die Arme sinkt, wenn er sich woanders aufgegeilt hat!

Wenn du meinst! Bitte, dann sieh doch zu, wie du ab jetzt zurecht kommst. Mit mir brauchst du nicht mehr zu rechnen.

Nein, lass mich! Ich komme nicht mit, ich fahr zu meiner Mutter.

Ja, die versteht mich, brauchst gar nicht so höhnisch zu grinsen.

Lass meinen Vater aus dem Spiel! Woher willst du wissen, worunter mein Vater gelitten hat?

Ihr Kerle seid alle gleich. Ekelhaft!

Dann hau doch ab!

Mutti? Mutti, kann ich zu dir kommen? Du hast Recht gehabt, Paul ist genau wie Papa.

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