Mails from down-under

Australien!!! Die Ausrufezeichen sind förmlich hörbar, wenn man erzählt, dass man ans andere Ende der Welt reist. Die Mischung aus zu überwindenden Kilometern, Koalas und Kängurus weckt Erwartungen, auch bei uns. So machten wir uns Anfang November auf den langen Weg nach down-under. Kängurus und Koalas sahen wir nicht wirklich. Dafür aber so dies und das, von dem an dieser Stelle berichtet werden soll. Und weil ich mich in meinen Mails wieder einmal nicht kurzfassen konnte – und es sooo viele Bilder (die eingefügten kann man durch Anklicken vergrößern) gibt – folgt in Kürze noch ein zweiter Teil. Doch nun ab in den Flieger, Frankfurt – Bangkok – Sydney, und dann mit neun Stunden Zeitversatz ins Geschehen.

Alle traditionellen Leserinnen und Lesern finden in der DruckBar ein Pdf in dem sowohl dieser als auch Teil II enthalten sind.

I

Gut, es hat sich gelohnt, über Jahre die Meilen zu sammeln. Mit ausgestreckten Beinen reist es sich entschieden angenehmer, als mit dem Vordersitzt an der Kniescheibe. Tatsächlich habe ich sogar den ersten Flugabschnitt größtenteils schlafend zugebracht. Aktuell sind wir über Indonesien, unter uns das Meer, auf dem die Positionslichter der Schiffe wirken wie Glühwürmchen an einem Sommerabend. Fasziniert haben mich die Wolkenformationen beim Anflug auf Bangkok. Weit oben breiteten sich Cirruswolken über den tiefer liegenden, hell strahlenden Cumuluswolken aus, die mehr oder weniger große Haufen bildeten. Kurz bevor wir sanken meinte ich den Fuß eines Riesen ausmachen zu können. Er hatte sich gemütlich auf den Rücken gelegt und streckte uns seine Fußsohle entgegen. Ich hoffte in schlafender Absicht und nicht, um uns einen Tritt zu verpassen. Wir landeten unbeschadet und sanft in Bangkok, wo wir uns die vier Stunden Aufenthalt mit ein paar Nachrichten an die Familie, ein wenig Schlendern und ein paar Snacks in der Lounge vertrieben. Nun sind wir wieder bei Dunkelheit unterwegs. Ich hoffe, es wird bald das Licht gelöscht, damit ich noch etwas schlafen kann. Die Reisetabletten wirken wie versprochen: sie machen müde. Der Hauptgrund für die Einnahme.

II

Geschlafen habe ich dann leider nicht mehr so viel, sodass der erste Tag in Sydney von einer Müdigkeit geprägt war, die sich nachteilig auf die Wahrnehmung legte. Gestern gefiel Sydney nicht besonders. Warum? Nun, Du musst Dir vorstellen, man kommt am frühen Morgen am Flughafen an. Der Weg zum Zug in die Innenstadt ist erfreulich einfach, auch gelingt es eine Fahrkarte am Schalter zu ziehen, ohne zuvor ein Diplom abgelegen zu müssen, der Zug fährt ein und ist: voll. Rushhour! An allen nachfolgenden Stationen wird er: voller. Das Hotel war erfreulich nah an der Station, damit eine Dusche greifbar. In diesem Fall erst mal nur die im Zimmer unserer Freunde, die bereits zwei Tage zuvor in Sydney angekommen waren. Nach einem angeregt verplauderten Frühstück machten wir uns auf den Weg zur ersten Besichtigungstour. Opernhaus, Harbourbridge und dies und das waren fußläufig zu erreichen, wir brachen unverzagt auf. Das Wetter war etwas gräulich, der Verkehr enorm, wir müde. Zusammen keine überzeugende Mischung. Hier ein paar Eindrücke:

Stunden und Kilometer später lag ich genervt im Bett, das Abendessen bei gefühlten 120 Dezibel in einem optisch ganz netten Laden hatte uns den Rest gegeben. Heute war es dafür ausgesprochen schön. Wir erwachten erfrischt und machten uns auf zur Hoop on Bustour, die es in jeder Großstadt gibt. Hört sich blöd an, ist aber eine gute Möglichkeit, sich einen Überblick zu verschaffen. Gern würde ich Dir von Bondi beach, schönen Buchten und Aussichten, netten Menschen, alten Häusern mit wunderbaren Balkonbrüstungen, Hochhäusern, Vergnügungsvierteln, Straßenszenen,

sensationellen und enorm großen Bäumen, dem Botanischen Garten, immer wieder der Oper, einer abendlichen Tour mit der Fähre, wieder der Oper und den letzten Schritten zum Hotel erzählen. Aber ganz ehrlich, ich bin hundemüde. Du musst Dich mit ein paar Bildern begnügen.

Hier ist es jetzt 23.11 Uhr, ich finde ich habe für den zweiten Tag lange ausgehalten. So ein Jetlag ist nicht ohne. Zuhause ist es kurz nach eins und – wie ich erfuhr – kalt und schneeregnerisch. So ungern ich den Herbst verlassen habe, Schneeregen fehlt mir definitiv nicht! Morgen geht es nach Brisbane. Nur 2 Millionen Menschen! Vermutlich wird es nicht viel leiser sein, als Sydney. Denn Lärm hat uns auch heute über weite Teile des Tages begleitet, auch am Strand. Wellen erfreuen das Ohr jedoch entschieden mehr als Straßenverkehr.

III

Überraschung: Brisbane ist leiser als Sydney. Erheblich sogar. Zumindest, wenn es um Verkehrslärm geht. Möglich, dass es an der doch recht anstrengenden Hitze und Schwüle liegt, in der man sich durch die Gegend bewegen muss. Gleichwohl waren Menschen zu sehen. Trotz des an einzelnen Stellen wuseligen Eindrucks, diverser Hochhäuser und der vertrauten Sightseeingbusse ist die Gesamtwirkung provinzieller. Entspannter. Doch der Reihe nach:
Als wir ankamen machten wir uns auf zu einer kleinen Erkundungstour, die uns ob des Klimas rechtschaffen schaffte. Zunächst, später erholten wir uns wieder und fanden die Stadt dann auch gar nicht mehr so solala, wie auf den allerersten, verschwitzten Blick. Ich begeisterte mich wieder für einen Botanischen Garten, der Gigantismus der Pflanzen ist einfach irre.

Ich sah Mangroven. Hast du schon mal Mangroven gesehen? Nicht lügen jetzt, ich frage dann wo und schon kommt es raus! Dazu oder auch daneben reichlich Flora, die bei uns nur in Miniaturvarianten für den Blumenkübel bekannt ist. Leider gab es im gesamten Garten nichts zu trinken, was bei subtropischen 30°, die der gemeine Wuppertaler gern wie 40° empfindet, den Besuch nicht wirklich zu einem Genuss macht. Wir wechselten die Flussseite über eine der zahlreichen Brücken – habe ich erzählt, dass Brisbane am Brisbane liegt, sprich nach einem Fluss benannt ist, der sich mäandernd durch die Stadt zieht? Nein? Nun, das ist so. Auf der anderen Seite fanden sich erfreulich viele Gelegenheiten, Getränke zu sich zu nehmen, wir waren in einem der Ausgeh- und Vergnügungsviertel gelandet. South Banks, um es beim Namen zu nennen. Im Erstbesten erstanden wir zu Schleuderpreisen Getränke – soll heißen, man konnte beim Bezahlen ins Schleudern kommen – und genossen die Zeit. Irgendwann begann ein Mensch Musik aufzulegen, zunächst noch relativ leise. Nach und nach trudelten immer mehr Leute ein, unterhielten sich lautstark, was ihn animierte, die Musik lauter zu machen. Wenn sich dieser Hang zum Lärm in den nächsten Wochen fortsetzt, werde ich taub. Wir flohen nach einer Weile den nun nicht mehr ganz so angenehmen Ort und nahmen ein frühes Abendessen in einem der Nachbarlokale ein, die sich wie Perlen an eine Schnur aneinanderreihten. Sehr nett, mit Blick auf den Fluss und einer Beschallung knapp unter 84,25 Dezibel. Was will man mehr. Auf dem Rückweg entdeckten wir ein künstlich angelegtes Badeparadies, nebst Open air Kino, Dschungelwalk, dass von der Bevölkerung gut bis sehr gut angenommen wurde, wie man in offiziellen Kreisen bei uns sagen würde. Echt stark. Wir waren begeistert. Ich lüftete eigens die bleischweren Lider, um es mir genauer anzuschauen.

Letzt Energiereserven – es war immer noch warm und schwül – trugen uns über eine andere Brücke zurück und ins Hotel. In der Nacht zuvor gab es für mich nur etwa drei Stunden Schlaf. Nein, ich habe nicht gefeiert und gezecht! Ich erwachte einfach nach jenen drei Stunden und schlief nicht wieder ein. Elender Mist, kann ich dir versichern.

Heute fuhren wir ausgiebig Bus. Hügel hinauf und hinunter, retteten uns vor einem sehr heftigen Gewitter und starkem Regen in ein Straßencafé und entschieden uns den Abend im Hotel zu verbringen. Dies bescherte uns weitere Einblicke in die Gewohnheiten der Australier. Es waren nämlich zwei Feiern höchst unterschiedlicher Art im Haus. Ein Weihnachtsessen irgendeiner Firma, bei dem viele ein Pappkrönchen tragen mussten, was sie augenscheinlich nur unter Zuhilfenahme von viel Alkohol bewältigen konnten. Der wiederrum nötigte sie zu schwankenden Gängen über die Terrasse, auf der wir als einzige Gäste draußen zu essen versuchten. Bis auf die Krönchen eine vergleichsweise europäische Angelegenheit. Die andere, deutlich rätselhaftere, Veranstaltung bestand aus asiatischen Frauen in megafestlichen Kleidern, Reifröcken, Diademen und Bergen von anderem Glitzerzeug, die allesamt starke Raucherinnen waren. Wir mutmaßten die Wahl zur Miss Nikotin 2016. Es fanden sich also immer, gottlob in Sicht- und nicht in Riechweite, die unterschiedlichsten Roben auf der Terrasse ein. Zwischendurch wurden mindestens ebenso unterschiedliche Autos in das Hotel gefahren – frag nicht, wir haben es auch nicht verstanden – und wieder entfernt. Was man halt so macht an einem Samstagabend in Brisbane.

Morgen geht es über einen weiteren Nationalpark weiter ans Meer. Ich werde mir den Rucksack mit Wasser vollpacken und hoffe auf Stille. Die fehlt mir etwas.
See you, wie wir Internationalen sagen!

IV

Heute Morgen saßen ein paar Aras im Baum vor unserem Fenster. Ich denke, ihr lautstarkes Geplapper war ursächlich für mein frühes Erwachen. Grünbunt leuchteten sie vor tiefblauem Himmel eine Weile mit ihm um die Wette und schwangen sich dann auf, um in einem anderen Baum, vor einem anderen Fenster andere aus dem Schlaf zu wecken. Es wird früh hell hier. Ein Grund mehr, nicht lange schlafen zu können. Und auch nicht zu wollen.

Nach einem Ausflug in die Glashouse Mountains, bei dem ich mich anlässlich eines Anstiegs selbst übertraf, sind wir seit zwei Tagen in Noosa Tewantin. Ein Ort am Fluss, bzw. an der Meeresmündung desselben. Sehr malerisch. In Teilen. Genau genommen im Hafen und überall dort, wo man den Blick auf den Dreiklang aus Wasser, Booten und Wäldern werfen kann. Dort, wo der Fluss dann den Pazifik trifft, liegt Noosa Heads, ein gut frequentierter Ferienort mit Strand und allem, was dazu gehört. Wimmelig und voller Shops und Restaurants, am Strand trotzdem sehr entspannt. Wir wanderten dort durch einen der unzähligen Nationalparks, der uns Pedestrians immer wieder mit wunderbaren Ausblicken belohnte.

 

V

Ich bin erst eine Woche hier, habe aber das Gefühl, schon Ewigkeiten unterwegs zu sein. Der Koffer wurde noch nicht einmal wirklich ausgepackt. Nach den Tagen in Noosa brachen wir heute nach Hervey Bay auf, von wo aus es morgen nach Fraser Island geht. Zwei Tage geführte Tour. Gestern an der Sunshine Beach war es herrlich. Wir sind über drei Stunden spazieren gegangen, was am Ende anstrengend war, aber eben auch sehr schön. Nichts als Wasser, Sand und Wind. Und Gehen. Ich habe es innerlich abgefeiert. Schon merkwürdig, wie viel Genuss man aus den ständig wiederkehrenden Wellen zieht.

Nun also Hervey Bay, ein Ort fragwürdiger Schönheit. Zwar besitzt Hervey Bay einen mehr als 800m langen Pier, auf dem man quasi auf dem Wasser wandeln kann, dafür ist alles andere aber irgendwie öde. Unser Hotel liegt direkt am Hafen, grundsätzlich gut sollte man meinen. Dieser zeichnet sich jedoch durch kaum Angebot und dafür viel Lärm aus.  Das einzig verfügbare Restaurant nervte mit lauter Musik und gehörte einem absolut unfassbar klischeehaften schwulen Besitzer. Es würde mich nicht überraschen, wenn es Bully Herbig in seiner neuesten Verkleidung war. Außer in diesem Etablissement, hätte man nur noch in einem der in Australien üblichen Membership Clubs etwas trinken können. Das ist an sich kein Problem, nur hatte dieser den Charme einer Firmenkantine. Echt,  ist nicht übertrieben. So entschieden wir uns früh schlafen zu gehen, was in Anbetracht unserer morgigen Aufbruchzeit kein Fehler ist. Das werde ich nun also versuchen. Ob ich jedoch die Balkontüre dazu öffnen kann, ist noch fraglich. Nachdem wir die letzten Tage unsere Abende in einer sehr idyllischen und ruhigen Marina verbracht haben, ist das hier das totale Gegenstück.

VI

Was macht man, wenn man Stunden im Auto sitzen muss? Man versucht die Zeit sinnvoll zu füllen. Ich schau mal, ob ich etwas zu Papier bringe. Draußen rauscht eine relativ öde Landschaft vorbei, die sogar noch öder werden soll, wenn wir die Zuckerrohrplantagen erreichen. So reicht aber schon. Das Grün ist recht trist, die Straße lang und nicht stark befahren.

Wie es auf Fraser Island war, möchtest Du wissen?
Cool! Nein, ich will schon genauer werden. Es war faszinierend. Wenngleich ich zu Beginn Zweifel hatte, als der Landrover, mit dem uns Hans, ein ausgewanderter, ehemaliger Sozialarbeiter/Trucker und Speditionsunternehmer, auf die Insel brachte, höchst schaukelig über die Sandstrecken fuhr. Was nicht an fehlender Fahrfähigkeit von Hans lag. Im Gegenteil, er fuhr sehr souverän. Eine Insel, auf der alle Wege ausschließlich sandigen Untergrunds sind, birgt jedoch reichlich Raum für heftige Schaukeleien. Es sei denn, man fährt mit 100 Sachen über den Strand, der dort zugleich Highway und Flugplatz ist. Im Bedarfsfall werden einfach ein paar Schilder aufgestellt, ein Polizist achtet darauf, dass niemand sie ignoriert, und man wartet, bis der Flieger sich in die Luft erhoben hat. Lässig. Ebenso, wie das Fahren am Strand, immer entlang der Wasserlinie. 60 km am Stück. Mit der Zeit verbraucht sich der Effekt und man fährt einfach nur Auto. Ohne wäre die Insel allerdings kaum zu erkunden. Von Hans geleitet, erwanderten wir uns einige Highlights von den ausgewiesenen Parkplätzen, was echt anstrengend war, weil der sandige Untergrund das Gehen enorm erschwert. Ich trage seitdem ein Krönchen, das ich mir zur Belobigung gebastelt habe. Noch bin ich in Überlegungen, ob ich mir hero oft he day oder Climbing Queen darauf schreibe. Wozu rätst Du? Ich übertreibe? Von wegen!!! Den Abstieg von der Düne zum Lake Wabby habe ich ausgelassen, weil es dort so steil runtergeht, dass ich fürchtete, nicht wieder rauf zu kommen. Der Weg bis oben auf die Düne führte uns durch einen sehr schönen Wald, den man auf einer reinen Sandinsel nicht unbedingt vermutet. Noch viel weniger den später besichtigten, sehr hochgewachsenen, geschlossenen Wald – oder auch Urwald, wie Hans ihn nannte – in dem sich Bäume von einer Dimension finden, die unseren Wäldern fremd ist.

Unsere nächtliche Unterkunft war von deprimierender Hässlichkeit, ein Vergehen, für das man dringend jemanden zur Verantwortung ziehen sollte. Wie kann man an einem so schönen Ort ein so was bauen?! Sensationell hingegen der Sternenhimmel, den man aufgrund des geringen Fremdlichtes extrem gut sehen konnte.

Habe ich schon von den Häusern hier erzählt? Ich sah gerade wieder ein sehr typisches: Auf Stelzen stehend, aus Holz mit Wellblechdach. Queenslander. Auf Stelzen, weil sie so vor Überschwemmungen gesichert sind und zugleich im Sommer von unten durchlüftet werden. In den Städten sieht man häufig Häuser, meist mehrstöckige, die sehr schöne Balkonbrüstungen aufweisen. Sehr hübsch. Ein Gründerzeiterbe, glaube ich. (googeln geht gerade nicht, ich bin offline)

Wo war ich gerade? Ach ja, die Unterkunft. Nun, man konnte schlafen und essen und war am nächsten Morgen ja auch schon wieder früh weg.

Gerade durchfuhren wir Gin Gin, ein Ort, gegen den jedes deutsche Dorf ein Hotspot ist. Das es so was gibt! Heute habe ich beim Einkaufen Weihnachtszeug fotografiert. Sorry, aber hier ist gerade wirklich nichts anderes los, da kann man auch mal über Einkäufe referieren. Wir waren nämlich, Achtung, in einem Aldi! Um Wasser für die Reise zu kaufen. Schon strange, wenn man im Sommerkleid Advendssonderartikel kaufen kann. Könnte, muss es für uns heißen, denn wir erstanden nichts davon. … Nein, nichts ist nicht ganz korrekt, wir erstanden ein paar Lebkuchen. Lebkuchen schmecken auch bei 30°, ich gelobe fürderhin, nicht mehr zu lästern, wenn im September bei uns die ersten auftauchen. Kerzen sieht man hier wenige. Vermutlich würden sie in der Sonne schmelzen. Schmelzen? Schmilzen? Blödsinn, Du schmilzt, ebenso er/sie/es, aber ich schmelze und sie (plural) schmelzen. Wunderbar übrigens auch das Präteritum der 2. Person Singular: Du schmolzest! Ich muss unbedingt mal einen Satz schreiben, in dem das vorkommt.

Wir gönnten uns eine Pinkelpause auf einer völlig versifften Raststätte. Das Reisen hat bisweilen höchst eigenwillige Höhepunkte. Rechts und Links der Straße sieht man immer wieder schwarze Bäume, die von Bränden erzählen. Interessant, die unterschiedlichen Phasen des Nachwachsens sehen zu können. Ab und an sieht man Bäume, die von innen ausgebrannt sind und dennoch grüne Wipfel aufweisen. Gestern hörten wir schon, dass sich die Natur nach einem Brand sehr schnell regeneriert. Wusstest Du, dass es Pflanzen gibt, die Feuer benötigen, um sich fortzupflanzen? Die Samenkapseln sind so hart, dass es ein sehr heißes Feuer braucht, um sie zu knacken.

Was gibt es sonst noch zu berichten? Wir sahen Eukalyptus- und Teebäume, leider keine Koalas, einige Warane, Palmen, riesige Geweihfarne, die wie anhängliche Liebhaber an ihren Wirtsbäumen hängen, einen Seeadler, mehrere Milane, Pelikane, allerlei Insekten, auf die wir hätten verzichten können, picknickten fürstlich und badeten zum Abschluss im absolut traumhaften Lake Mckenzie. Ein nachgerade bilderbuchartiger Süßwassersee von spektakulärer Farbe und sehr angenehmer Temperatur. Eine Wohltat für den Körper und der Ort schlechthin für Fotos. Der Legende nach handelt es sich um das Auge einer dereinst vorbeireisende Elfe, die nach 50000 Jahren Schlaf – ich war spontan sehr neidisch – beim Aufwachen entschied, sie wolle gern auf der Insel verbleiben. Dies wurde ihr nur gestattet, wenn sie Teil des Eilands würde. Gesagt getan, seitdem linst sie via See in die Welt hinaus. Ein fragwürdiger Preis, wenn Du mich fragst. Ich blieb vorsichtshalber wach.

 

Die Fähre brachte uns pünktlich zum Sonnenuntergang wieder an Land zurück. Mir hat die Stille der Insel gefallen, die Massen verliefen sich ziemlich gut, die Stille und der ständig brandende Pazifik, den man bis weit in die Wälder hört. Unfassbar, mit welcher Energie sich die Wellen übereinanderstürzen, brechen und sich sofort wieder aufschwingen zu neuen Höhen, um am Strand auszulaufen und ablaufend für einen Moment den Himmel zu spiegeln. So, dass wir für einen Augenblick in den Wolken spazieren gehen können.

Immer wieder kam mir ein Gedicht in den Sinn, ich weiß nicht, ob ich es Dir schon mal aufgeschrieben habe. Es ist von Marie Luise Kaschnitz, ich kenne es seit Jugendtagen. Schon damals berührte mich die Melancholie der Zeilen. Mal schauen, ob ich es zusammenbekomme:

Am Strande
(Es gelang, ich kann es aus urheberrechtlichen Gründen hier jedoch nicht aufführen. Wer es lesen möchte – und ich finde, es lohnt – der folge dem hinterlegten Link auf die Seite von Zeit.de)

 

 

To be continued …

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