Jeanette Baden-Jaber II – Lyrik

Hier nun also mal Lyrik. In dem Fall nicht von mir, sondern ebenfalls von meinem Novembergast, Jeanette Baden-Jaber. Jammerschade, dass Ihr nicht hören könnt, wie sie ihre Werke vorträgt. Wenn wir es irgendwann hinbekommen,  eine Aufnahme zu machen, wird das nachgeholt. Versprochen.

Den Schmetterling des Beitragsbildes hat Gerald Schrage, ebenfalls ein Mitglied der Solinger Schreibwerkstatt, mit der Kamera eingefangen und uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Schmetterling

Wohin fliegt der Schmetterling, wenn er auf die bunte Blumenwiese hinausfliegt?
Zu den bunten Blumen natürlich!

Doch wohin fliegt der Schmetterling, wenn er aufs Meer hinausfliegt?

Das Meer.
Kühl, wenn man es fühlt.
Salzig, wenn man es schmeckt.
Sand überall.
Er versteckt sich im Haar, in den Kleidern und Schuhen.

Das Meer.
Pirat möchte man sein.
Auf einem großen Schiff um die Welt segeln.
Hier ein bisschen entern,
dort Gold, Perlen und Edelsteine rauben,
einsame Inseln entdecken.

Das Meer.
So weit,
so unnahbar und doch vertraut.
Ohne Seele fast,
wenn es sich nimmt,
was fürs Meer bestimmt.

Das Meer.
Ewig, ewig ist sein Rauschen,
gewaltig das Spiel seiner Wellen.
Tosend.
Liebkosend.

Einst sah ich einen Schmetterling am Strand. Unbekümmert seiner Flügel Schlag. Aufs Meer hinaus führte ihn sein Tanz. Wohin aber fliegt ein Schmetterling, wenn er aufs Meer hinausfliegt? Wo kann er ausruhen, wenn ihn die Kraft verlässt?

Ist ihm der Wind ein Freund, der ihn an Land zurückträgt? Kehrt er zur rechten Zeit von alleine um? Oder finden seine müden Flügel ein sanftes Ruhekissen auf den Wellen? Wellen, die ihn umfangen, wie Arme, die ihn halten, sicher, geborgen. Arme, die ihn tragen, bis er zu Ende ist, der Tanz. Und ein letztes leichtes Zittern die Flügel des Schmetterlings erbeben lässt.

Wohin fliegt der Schmetterling, wenn er aufs Meer hinausfliegt?
Ich bin sicher, er tanzt immer noch über den Wellen,
auf dem Meer,
irgendwo.

Herbst

Der Sommer hat zurückgezogen
sich und seiner Strahlen Stärke.
Jetzt ist schon der Herbst am Werke.

Mancher kann es gar nicht fassen,
dass Baum und Strauch die Blätter lassen,
Licht und Wärme schwächer werden,
woanders sind auf dieser Erden
für eine kurze, ewge Zeit.

Deswegen jammern, maulen, greinen?
Sich verkriechen, Tränen weinen
um das Schöne, das gewesen?

Nein!
So soll es nicht,
so darf’s nicht sein!

Lass‘ Herbst und Winter mutig zu,
atme durch und komm‘ zur Ruh‘.
Frühling, Sommer tun’s Dir gleich.

Reich
sind die Erinnerungen,
tragen Dich durch das,
was kommt.

Und wenn des Winters Lied verklungen,
erstes Grün sich leise traut
mit verschlafnem Frühlingslächeln
Dir in Deine Seele schaut –
dann spürst Du,
weißt Du.
Nickst ihm zu.

Die Bonbonière

Im Schrank steht eine Bonbonière.
In ihrem Bauch ‒
Gähnende Leere!
Süße
Schmauch-
Spuren
An des Täters Händen,
ringsherum verteilt an Wänden,
auf Sofa, Tischplatte und Co,
auf dem Teppich sowieso.
Schokoladen-, Nougat-, Trüffel-,
Plätzchenbrösel,
Krümel klein
Geben sich ein Stelldichein.
Sie zeugen von der schrecklich Tat,
als der Dieb der Bonbonière wertvoll Inhalt
skrupellos entwendet hat.
Der,
heimlich und als niemand guckte,
mit Vorsicht um die Ecke lugte,
leise in das Zimmer schlüpfte,
flugs den Glasdeckel dann lüpfte und hineinfasste ins Süß.
Welch‘ Wohltat! Welch‘ ein Paradies!
Das Süß lässt Speichel sich im Munde sammeln,
den Klauwicht lustvoll Laute stammeln.

Doch plötzlich,
die Augen vor Wonne verdrehend,
wendet sich ab,
der kleine Schurke,
um stehend-
en
Fußes
Den Ort zu verlassen,
bevor ihn jemand bekommt zu fassen.
Ein letzter Griff noch in das Behältnis.
Ein Seufzer,
voll Sehnsucht.
Dann ist das Verhältnis
Von Bonbonière
Und Strolch
Vorbei.
Im Keime erstickt die Liebelei.

Gähnende Leere
Bei beiden im Herzen.
Und auch
im Bauch.

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