Novemberlauf

Genug nun der Feierei und Albernheiten! Auch in diesem Monat habe ich mich schließlich ernsthaft mit dem Schreiben beschäftigt. Wobei mindestens mal „nach dem Fest“ durchaus als Übung betrachtet werden kann. Als Dialogübung. Und eigentlich ist alles Schreiben Übung, lässt man mal Listen jeglicher Art außen vor. Insofern war ich diesen Monat wirklich unfassbar fleißig. Fleißig? … ein mir unsympathisches Wort, das wahlweise nach Tafelkreide oder Spießigkeit riecht. Sagen wir doch lieber, ich war produktiv. Ja, das gefällt mir. Es klingt nach Schweiß und Schaffenskraft.

Erhebliche Anteile davon entfielen auf diese Geschichte, in der ich zum ersten Mal etwas Surreales – Phantasy kann man es wirklich nicht nennen, denn Drachen und Ähnliches spielen keine Rolle – eingebaut habe. Gleichwohl bleibe ich nah an einer möglichen Realität.

Diesmal gibt es auch wieder eine gelesene Version in der HörBar sowie in der DruckBar eine Pdf-Datei für diejenigen, die Texte lieber in der Hand halten.

 

Er schiebt den Patientenbogen zur Seite und steht auf. Warum er ihn schon wieder ausfüllen soll, erschließt sich ihm nicht. Auf seine Frage, ob das wirklich nötig sei, war die Krankenschwester mit keinem Wort eingegangen. Stattdessen ein Lächeln, ein Zurechtziehen der Vorhänge und im Rausgehen ein: »Legen Sie ihn am Schwesternzimmer in das blaue Fach, wenn Sie fertig sind. Abendessen gibt es um sechs, der Speisesaal ist im Erdgeschoss.«

Von seinem Fenster aus sieht man über den Park bis hinunter zum See. Beides wirkt in der anbrechenden Dunkelheit ebenso deprimierend, wie das buchenmöbelbestückte Zimmer, dessen ästhetisches Highlight ein pastellfarbener Blumendruck in 50×70 bildet. Grundgütiger, wer sucht so was aus? Er nimmt ihn von der Wand und sieht sich nach einem Platz um, an dem er ihn möglichst unsichtbar parken kann. Am Ende entscheidet er sich für den Schrank und schiebt es hinter den Koffer, den er nach dem Auspacken dort verstaut hat. Noch gut zwei Stunden bis zum Abendessen.  Um den See sind es nur acht Kilometer, das schafft er locker, plus duschen. Hier drin hält ihn jedenfalls nichts und diesen bescheuerten Bogen kann er auch noch nach dem Abendessen ausfüllen. Masern, Mumps und Familienkrankheiten laufen schließlich nicht weg.

Zehn Minuten später tritt er in Joggingkleidung vor die Tür und beginnt mit den Aufwärmübungen. Ob es trocken bleibt? Egal, Hauptsache raus. Nach einem kurzen, lockeren Trab biegt er mit knirschenden Schritten auf den Seeweg ein. Auf Schotter läuft er nicht gern, zu hart und gleichzeitig uneben. Dann lieber direkt auf Asphalt. Hinzu kommt die spärliche Beleuchtung, ein paar Lampen mehr wären gut. Die feuchte Kälte beißt im Rachen und macht das Atmen schwer. Alles kein Grund aufzugeben, er ist schlechtere Bedingungen gewöhnt, läuft seit Jahren ganzjährig nahezu überall und bei fast jedem Wetter. Halbherzig versucht er, ausschließlich durch die Nase einzuatmen, gibt aber nach wenigen Zügen auf, weil er wieder das Gefühl hat, so nicht genug Luft zu bekommen. Irgendwann muss er mal ein Training bei diesem Laufguru buchen, Thomas war total begeistert. Wie war denn noch der Name? Was holländisches, mit L oder K. Thomas hat sich enorm verbessert, das muss er zugeben. Wenn er ehrlich ist, hat er seitdem Mühe, mit ihm mitzuhalten, ist jedes Mal total ausgepowert hinterher. Na ja, andererseits ist das ein guter Anreiz. Gut, dass Thomas jetzt nicht an seiner Seite läuft. Auch ohne Uhr weiß er, dass er langsam ist. Seine Beine fühlen sich an wie Blei und die Scheißkälte drückt auf den Brustkorb.

»Sie müssen ihr Leben ein bisschen umstellen, weniger Stress, mehr Bewegung, gesunde Ernährung.« Bekäme er für jeden so gearteten Ratschlag der letzten Wochen ein Lebensjahr geschenkt, würde er weit über hundert. Was wissen die schon von seinem Leben! Wenn er Susanne eröffnen würde, er werde in Zukunft noch mehr Sport machen, packte sie garantiert die Koffer. Und die der Kinder gleich mit. Angedroht hat sie es oft genug.

Hinter sich hört er schnelle, leichtfüßige Schritte näherkommen. Automatisch beschleunigt er, doch seine Beine wollten absolut nicht so wie er, sodass er nach einem kurzen Intermezzo wieder zur vorherigen Geschwindigkeit zurückkehrt. Ach, soll er ihn doch überholen, dann kann er auch sehen, was das für ein Typ ist. Vielleicht können sie die Tage mal zusammen laufen. Jetzt meldet sich das Rauschen im Ohr wieder.

Als der Läufer neben ihm auftaucht und mit einem Kopfnicken an ihm vorbeizieht, erschrickt Christoph und stolperte beinahe. Verwundert stellt er fest, dass der Mann viel größer und schwerer ist als er aufgrund der Laufgeräusche erwartet hat. Es sieht so aus, als berühre er den Boden kaum. Die Rückenansicht kommt ihm merkwürdig vertraut vor. Kennt er ihn, ist vielleicht schon mit ihm gelaufen? Während er noch grübelt, legt der Andere einen Zahn zu und ist zwei Laternen weiter im Nichts verschwunden. Das Rauschen im Ohr will nicht aufhören; vielleicht sollte er noch einen Gang runterschalten.

Jetzt ist auf der anderen Seeseite die Klinik zu erkennen, gut, dann hat er schon die Hälfte hinter sich. Das fehlende Training der letzten Wochen macht sich bemerkbar, er schwitzt ungewöhnlich stark. Ob er wirklich schon wieder loslegen kann? Moderate Belastung sei überhaupt kein Problem, hat der Arzt gesagt. Was er hier gerade abliefert ist definitiv moderat, sollte also völlig o.k. sein. Die Meisten würden sich eher unter- als überfordern. Susanne saß beim Abschlussgespräch die ganze Zeit stumm neben ihm, fragte nichts, hörte nur zu. Es war ihm unangenehm, dass sie dabei war. Doch auch ohne sie hätte er den Arzt wohl kaum gefragt, wie es mit Sex aussähe. Die Antwort war eh klar, hatte er schon gegoogelt. Die nächsten Wochen fiel er ohnehin aus, sie begleitet ihn schließlich nicht zur Reha. Und danach sollte alles wieder normal sein. Als er die Laufschuhe einpackte, lehnte sie im Türrahmen und fragte, ob er schon seine Mutter angerufen hätte, um ihr zu sagen, dass er ab morgen in der Klinik sei?
»Du weißt, sie macht sich Sorgen.«

Seine Mutter machte sich immer Sorgen. Er denkt oft, dass an dem Tag, an dem sie seinen Vater tot im Auto gefunden hat, Besorgnis ihr zweiter Vorname geworden ist.
Nach dem täglichen Lauf war der Vater noch in der Waschstraße gewesen, im Getränkehalter lag die Quittung. Eine Gewohnheit, über die sich seine Mutter stets aufgeregt hatte.
Als er sie kurz nach der Beerdigung einmal zu ihrer Schwester fuhr, starrte sie auf den Getränkehalter und begann zu weinen. Er sagte nichts, fuhr nur etwas langsamer, damit sie sich vor der Ankunft wieder beruhigen konnte.
»Ach Christoph, wie konnten wir uns nur wegen so etwas Unwichtigem streiten?«, fragte sie beim Aussteigen. »Selbst als ich ihn fand, ist mir die Quittung aufgefallen.«

Er spürte, wie sehr sie sich schämte, dass sie meinte, zu anderen Gefühlen verpflichtet zu sein. Man durfte doch nicht seinen Mann tot im Auto auffinden und sich an etwas so Banalem stoßen. Man musste fassungslos, verzweifelt, gelähmt sein. Durfte weinen, klagen, zusammenbrechen, aber doch nicht die Stirn über ein Stück Papier runzeln. Es ärgerte ihn zu sehen, wie sie mit dem Tod umging, so wie ihn beinahe alles ärgerte, was er in diesen Tagen erlebte. Auf der Beerdigung waren es die Frauen in ihren ärmellosen Kleidern und unbestrumpften Beinen. Sie sahen aus, als wären sie auf dem Weg zu einer Cocktailparty. Im Sommer sterbe ich nicht, entschied er damals. November wäre gut. Ja, der November mit seiner Trostlosigkeit wäre ein würdevoller Rahmen für seinen Abgang. Und dann diese Lieder. Warum zum Teufel mussten sie so tun, als glaube auch nur einer von ihnen an ein Leben nach dem Tod, oder fände zu Lebzeiten Trost im Glauben? Nur mit Mühe hatte er die Rede des Pfarrers ertragen, die aufgesetzte Betroffenheit, die Idealisierung des Toten, die salbungsvollen Pausen. Die Pausen waren das Schlimmste gewesen, jede Sekunde quälend in ihrer Klischeehaftigkeit. Am liebsten wäre er aufgestanden und weggelaufen. Nein, nicht gelaufen, gegangen, mit jedem Schritt bewusst Protest ausdrückend.

Erst im letzten Moment registriert er eine Stufe auf dem Weg, die Sicht ist wirklich mies. Morgen wird er nicht erst in der Dämmerung loslaufen, es wird mittlerweile einfach zu schnell dunkel. Auf einer echten Promenade wäre das kein Problem, auf diesem Möchtegernding muss man jedoch aufpassen wie blöd, um sich beim Laufen nicht zu verletzen. Ein Bänderriss fehlt ihm noch zu seinem Glück. Diese Reha geht ihm schon genug gegen den Strich. Er bemerkt, dass der Ärger seine Kiefermuskeln erreicht.

»Du wirst deinem Vater immer ähnlicher, du kaust du schon wieder auf Problemen rum«, würde Susanne sagen, wenn sie es sähe. Es macht ihn jedes Mal rasend, mit seinem Vater verglichen zu werden. Wenn sie dann noch meint, so schlimm könne der nicht gewesen sein und er solle sich lieber anschauen, was er ihm ermöglicht habe, gelingt es ihm kaum, die Beherrschung nicht zu verlieren. Schlimm genug, dass seine Mutter die Vergangenheit so verklärt.

Schon als sie den Nachlass sortierten, war plötzlich alles eitel Sonnenschein gewesen. Kein Wort mehr davon, dass der Vater kaum da gewesen war, dass alles andere stets Vorrang vor der Familie gehabt hatte, es immer nur um ihn gegangen war. Stattdessen wurde das angejahrte Zelt mit verklärtem Blick gestreichelt. Ausgerechnet! Ob er es nicht haben wolle? Wenn er mal Familie haben würde, gäbe es doch nichts Schöneres als Campingurlaub. Auf keinen Fall würde er später mit seinen Kindern Urlaub in diesem Ding machen. Die Vorstellung, sie, so wie es ihm jahrelang ergangen war, an jedem noch so leisen Tun der Eltern teilhaben zu lassen, war ihm ein Graus. Jedes geflüsterte, stell dich nicht so an, ich bin Dein Mann, jeder unterdrückte Schmerzenslaut und die Miene der Mutter beim Frühstück, klebte in den Fasern der Zeltplane. Wie konnte sie so tun, als habe es das alles nicht gegeben?

Wieder hört er Laufschritte näherkommen, scheint eine beliebte Strecke zu sein. Sein Atem geht mittlerweile so schwer, dass er gar nicht erst den Versuch unternimmt, sich nicht überholen zu lassen. Was soll’s, es kennt ihn ja keiner hier. Außerdem hat er den Eindruck, mit seinen Kräften haushalten zu müssen, um nicht am Ende sogar nur noch Gehen zu können.

Als der Läufer ihn passiert, meint Christoph seinen Augen nicht trauen zu können. Es ist derselbe Typ. Unmöglich, er muss sich täuschen, so schnell kann niemand die acht Kilometer schaffen. Es ist gerade mal ein paar Minuten her, dass sie einander zum ersten Mal begegnet sind. Immer noch scheint er den Boden kaum zu berühren und wieder kommt ihm die Rückenansicht merkwürdig vertraut vor. Diese steile Haltung, der zurückgenommene Kopf, er weiß, er hat den Kerl schon gesehen. Die Augen zusammenkneifend versucht er sich zu erinnern, übersieht dabei eine Ablaufrinne und liegt im nächsten Moment auf dem Boden. Irritiert registriert er einen dumpfen Schmerz, der nicht zu der Wucht passt, mit der er aufgeprallt ist. Im Fallen hat der den Kopf gerade noch zur Seite drehen können und damit die Brille gerettet. Die Handflächen haben das Meiste abbekommen. Mist. Er versucht aufzustehen, was von einem heftigen Schwindel und eine Übelkeitswelle verhindert wird. Stöhnend sackt er zurück und würde sich am liebsten ausstrecken, einfach hinlegen und einschlafen. Sag mal, hast du sie noch alle, ruft er sich zur Ordnung. Steh jetzt auf und sieh zu, dass du zurückkommst. Mühsam gelingt es ihm, auf die Beine zu kommen und, trotz anhaltendem Schwindel und Übelkeitsgefühl, weiterzugehen. Es sind bestimmt noch zwei, zweieinhalb Kilometer bis zur Klinik, in dem Tempo wird er Ewigkeiten brauchen. Jetzt verflucht er es, das Handy nicht eingesteckt zu haben. Gut, dass Susanne das nicht mitbekommt, sie würde ihm wieder Vorträge ohne Ende halten. An der nächsten Laterne bleibt er stehen. Sein Herz arbeitet spürbar in der Brust, die Anstrengung, der Schreck, dazu die beschissene Kälte, sind nicht ohne. Beim nächsten Mal wird er die wärmere Jacke anziehen, seine Arme sind eiskalt.

Plötzlich hört er wieder Schritte hinter sich, hoffentlich jemand mit Handy. Er dreht sich um und die bereitgehaltene Bitte um Hilfe, um die Benutzung des Telefons, verklumpt ihm im Hals zu einem undefinierbaren Geräusch. Die steile Haltung, der zurückgenommene Kopf, von vorn erkennt er ihn sofort. Es ist unmöglich, aber er ist es: Das zurückgekämmte Haar, der eckige Kiefer, der dem Gesicht alles Weiche nimmt, die Schultern, die den dünnen Hals nur wiederwillig freizugeben scheinen. Er sieht genauso aus, wie vor zwanzig Jahren. Christophs Arm schmerzt höllisch, seine Brust fühlt sich an, als werde sie von einem Metallring zusammengedrückt und in seinen Ohren tobt das Rauschen. Der Läufer kommt näher, wird größer, wächst über ihn hinaus. Was ist das? In was für einen Film ist er da geraten? Jetzt kann er Augen unter hämisch hochgezogenen Brauen erkennen. Gleich wird er irgendeine Gemeinheit sagen, sich über ihn lustig machen. Doch er tut nichts, läuft nur weiter entspannt und locker geradeaus, als wäre weit und breit kein Mensch zu sehen. Warum bleibt er nicht stehen, spricht nicht mit ihm, fragt nicht, wie es ihm geht, warum er sich an der Laterne festkrallt, ob er Hilfe benötigt? Warum ist er überhaupt hier? Was will er? Ihm zeigen, dass er es immer noch besser kann als alle anderen? Vor allem besser als er, sein Sohn?

»Los, mach schon, du Schnecke!«, hört er den Vater rufen. Sie sind auf dem Sportplatz, trainieren für den Laufwettbewerb der Schule. Er ist sechs Jahre alt, seine Füße und Knie schmerzen, er schwitzt, röchelt, bekommt kaum Luft, doch der Vater kennt kein Pardon. Noch eine und noch eine Runde muss er laufen. Immer öfter stolpert er über seine Beine, schlägt der Länge nach hin, beißt die Zähne zusammen, steht auf und läuft mit Tränen in den Augen weiter. Am Abend reinigt die Mutter wortlos die Wunden. Als er später schlaflos in seinem Zimmer liegt, kommt der Vater herein, setzt sich ans Bett und fragt, ob es weh tut. Er nickt stumm in die Dunkelheit und presst die Kiefer aufeinander. Er wird nicht weinen.
»Das geht vorbei.« Die Stimme des Vaters klingt anders als sonst. »Es geht vorbei und dann wirst du besser sein, als die anderen. Glaub mir. Weil du weißt, dass es vorbei geht, weil du hart zu dir sein kannst, wenn es sein muss.« Dann legt er seine schwere Hand behutsam auf Christophs zornig klopfendes Herz. »Vergiss das nie«, sagt er und geht.

Seine Füße spürt er nur noch wie durch Watte. Los, du schaffst das, geh! Es dauert gefühlte Minuten, bevor es ihm gelingt, sich voranzuschieben. Alle paar Meter bleibt er stehen, ringt nach Luft, sucht mit den Augen die Dunkelheit hinter sich ab. Weiter, er muss hier weg, zurück zur Klinik. Komm schon, du schaffst das.

Wieder hört er die Schritte, spürt den Luftzug, mit dem er überholt wird.
»Lauf doch, du Arsch?«, brüllt er dem davoneilenden Schatten hinterher. Diesmal mit Ton und zu seinem eigenen Erstaunen so kräftig, dass es in der Abendstille nachhallt. Sein Hals brennt, der Atem reibt sich schmerzhaft an den Rippen. Er will nicht mehr, will ausruhen, Kraft schöpfen. Langsam gleitet er an einem Laternenpfahl nach unten. Im Sitzen ist es etwas besser. Wenn ihm nur nicht so kalt wäre, er spürt Beine und Arme kaum noch. So muss sich Erfrieren anfühlen. Angeblich schläft man einfach ein, das Herz wird immer langsamer und hört irgendwann ganz auf zu schlagen. Dann ist es vorbei. Man soll ein Licht sehen. So eines, wie das da vorn. Aus dem Licht sieht er den Schatten wieder auf sich zukommen, schnell und leichtfüßig, ohne den Boden zu berühren. Er schließt die Augen und lauscht. Gleich wird er vorbeilaufen. Ganz nah an seinem Kopf. Jetzt. Er öffnet die Augen. Kein Licht. Wo ist das Licht? Sie sagen, es gibt Licht. Warum sagen sie, es gibt Licht, wenn es keins gibt? Es ist so kalt. So kalt und still. Er spürt, er ist nicht allein, da ist jemand neben ihm. Wenn er die Hand ausstreckt wird er ihn berühren können. Doch sie lässt sich nicht bewegen. Er sieht sich selbst in der Dunkelheit liegen, die Hand schlaff auf dem Boden, als gehöre sie nicht zu ihm. Er kann die Kälte sehen. Wie kann man Kälte sehen, fragt er sich und wundert sich gleichzeitig über den Gedanken.

»Tut’s weh?«, fragt eine Stimme. Er nickt stumm in die Dunkelheit und presst die Kiefer aufeinander. Er wird nicht weinen.
»Das geht vorbei«, sagt die Stimme.
Etwas Schweres legt sich behutsam auf seine Brust. Ja, er weiß, es wird vorbeigehen. Es wird vorbei gehen und danach wird er besser sein, als die anderen.

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